Grenspark Kalmthoutse Heide ist einer von sechs ausgewählten Kandidaten, die die Chance haben, als "Nationalpark Flandern" anerkannt zu werden. Ein solcher Nationalpark ist ein anerkanntes, geografisch definiertes Gebiet von ausreichender Größe mit außergewöhnlichem Naturwert und internationaler Ausstrahlung. Um eine Chance auf diesen Titel zu haben, wird derzeit intensiv an einem Masterplan gearbeitet, in dem alle Beteiligten ihre Vision davon darlegen, was ein Nationalpark für die Region und die Natur bedeuten kann. Wir sprachen mit Guy Vloebergh, Raumplaner bei der Designagentur OMGEVING und verantwortlich für die Ausarbeitung dieses Masterplans.
Guy Vloebergh
Was würde es bedeuten, wenn Grenspark Kalmthoutse Heide ein Nationalpark wird?
Guy: Das ist genau das, was unser Team derzeit entwirft. Unsere unabhängige Designagentur OMGEVING arbeitet dabei mit dem ökologischen Beratungsunternehmen Hesselteer und der sozial verantwortlichen Stadtplanungs- und Entwicklungsagentur Endeavour zusammen. Wir haben bereits eine erste Auswahlrunde mit der flämischen Regierung bestanden und müssen nun im Mai 2023 ein neues Dossier einreichen. Danach wird die flämische Regierung entscheiden, welche vier Kandidaten tatsächlich den Titel 'Nationalpark' erhalten werden. Die Parks Bosland, Taxandria, Brabantse Wouden, Schelde-Tal und Hoge Kempen sind ebenfalls Kandidaten. Der Masterplan ist ein wichtiger Teil dieses Dossiers und besteht aus zwei Teilen: einer Zukunftsvision und einem Aktionsplan. Die Zukunftsvision befasst sich mit den Herausforderungen und Engpässen rund um bestimmte Themen im und um den Nationalpark, wie Tourismus, Landschaft und Kulturerbe sowie Natur. Der Aktionsplan besteht aus konkreten Projekten, die wir kurz-, mittel- und langfristig umsetzen wollen, um den Park und seine Umgebung besser zu machen.
Wer ist alles an der Ausarbeitung eines solchen Masterplans beteiligt?
Guy: Eine solche Anerkennung ist mit viel Aufwand verbunden, aber wir halten es für wichtig, so viele Meinungen wie möglich einzuholen. So sind die umliegenden Gemeinden beteiligt, aber auch die Provinzen Antwerpen und Nordbrabant. Wir beraten uns auch mit sehr unterschiedlichen Organisationen wie Naturverbänden, landwirtschaftlichen Organisationen und Tourismusorganisationen. Sie alle betrachten mit ihrem eigenen Fachwissen die Möglichkeiten und Auswirkungen, die ein Nationalpark haben kann. Und natürlich werden auch die Nutzer und Bewohner des Gebiets einbezogen. Sie besuchen den Park oft jeden Tag, und wir möchten ihre Meinung hören. Diese Konsultation ist für Ende des Jahres geplant. Unsere Aufgabe ist es, all diese Visionen und Vorschläge in einem Masterplan zu vereinen, der von allen getragen wird.
Um alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen, werden sogenannte Workbenches organisiert. Welche Ergebnisse versprechen Sie sich davon?
Guy: Wir hatten eine erste Werkbank und sind von dem Ergebnis begeistert. Wir wussten, dass es nicht offensichtlich sein würde, weil einige Leute den Mehrwert eines solchen Nationalparks noch nicht ganz erkennen. Zum Beispiel haben Organisationen, die sich auf den Tourismus konzentrieren, manchmal andere Interessen als die Anwohner, und die Landwirte sind besorgt, dass zusätzliche Einschränkungen folgen werden. Während der Arbeitstagung haben wir erklärt, dass die Anerkennung als Nationalpark vor allem eine Chance und keinesfalls eine Bedrohung darstellt. Es war eine konstruktive Diskussion, und wir freuen uns daher auf die beiden weiteren Arbeitstreffen, die noch vor Ende des Jahres folgen werden. Bis Anfang nächsten Jahres werden wir alle Informationen zusammengetragen haben und können unseren Plan ausarbeiten, ihn mit den Koalitionspartnern weiter diskutieren und dann vorlegen.
Welche konkreten Pläne gibt es für den Fall, dass das Label "Nationalpark" tatsächlich zustande kommt?
Guy: Seien wir ehrlich, ein solches Label schafft eine 'starke Marke' und bringt Subventionen ein. Damit können wir in den Naturschutzgebieten und in der Region verschiedene Projekte realisieren, die gut für das Klima, die Artenvielfalt und die Lebensqualität sind. So können zum Beispiel Straßen aufgeweicht werden, um die Umgebung zu begrünen. Oder es können kleine Landschaftselemente wie Hecken, Baumreihen und Grünstreifen gepflanzt werden. Ich denke auch an Rad- und Fußwege, die besser miteinander verbunden sind. Das sind lokale Projekte, die auch den Anwohnern zugute kommen werden. Ein weiteres wichtiges Beispiel: Der Empfangspunkt De Vroente wird in Angriff genommen. Das ist der bekannteste Eingang und daher oft überlastet. Es gibt aber noch mehrere andere Eingänge, die die Leute einfach nicht kennen. Diese attraktiver und bekannter zu machen, wird die Mobilität in der gesamten Region verbessern.
Möchten Sie sich auf die Förderung des Tourismus konzentrieren?
Guy: Auf jeden Fall. Und zwar nicht nur, um die bekannten Gebiete vorzustellen, sondern auch, um die Besucher unbekannte Gebiete entdecken zu lassen. Es gibt noch so viele unbekannte grüne Juwelen, die in der Gegend versteckt sind. Da ist zum Beispiel der Panzergraben, eine militärische Verteidigungslinie, die einst von Stabroek bis zum Albert-Kanal gebaut wurde. Diese Linie ist zu einem wertvollen Naturschutzgebiet geworden, aber sie ist nicht leicht zugänglich. Dieses militärische Erbe zugänglich zu machen, ist ebenfalls eines der vielen Ziele.
Haben Sie Fragen zur Bewerbung des Grenspark Kalmthoutse Heide als Nationalpark? Oder Ideen/Vorschläge zu Möglichkeiten und Kooperationen für den Masterplan? Wir würden uns freuen, sie zu hören! Schicken Sie eine E-Mail an grenspark.
Oder besuchen Sie www.grensparkkalmthoutseheide.com/de/kandidaat_nationaal_park für weitere Informationen, häufig gestellte Fragen und Antworten.
Die Bewerbung um die Anerkennung als Nationalpark wird/wurde im Rahmen des von der flämischen Regierung in Auftrag gegebenen Projekts "Call National Parks" bezuschusst.